Anfang oder Ende

Start oder Ziel, Beginn oder Schluss, Alpha oder Omega?

Diese Sammlung von Ausdrücken zur Ambivalenz unseres Daseins fallen mir ein, wenn ich an das sehr schmerzvolle Ereignis im Zusammenhang mit dem Ableben meines Freundes und Kollegen denke.
Die am Beginn genannte Perspektive stellt sich für jeden Menschen irgendwann klar ins Zentrum seines Lebens, doch ein derartig einschneidendes Erlebnis macht diese Sichtweise umso deutlicher. Unsere Religionen und Philosophien bieten Lösungswege – das irdische Leben geht zu Ende, ein neues überirdisches beginnt.
Für das bessere Verständnis meiner Gedanken möchte ich das wiederkehrende Treffen mit einem lieben Menschen vorstellen.
Mein Mentor und Priester Hugo sprach von seinem „Herrn“, zu dem er heimging. Der Weg war für ihn also ein Übergang, kein Anfang und kein Ende. Der materielle Teil, die irdische Hülle bleibt hier, der spirituelle Teil von uns wandelt hinüber in ein neubeginnendes Leben.
Diese Beschreibung ist kein Wissen, sondern Glaube. Eine Vorahnung lässt in uns die Hoffnung entstehen, dass wir für unser mit Verantwortung geführtes Leben einen Sinn im anderen Dortsein finden.
Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas einen Sinn hat – egal, wie es ausgeht.“ (Vaclav Havel)
Ist es also ein ängstliches Erwarten des Endes oder ein hoffnungsvolles Streben für den Sinn unseres Lebens?

Hugo lebte nach Johannes 13:31-38: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“ – und weiter Johannes 15:13: „Niemand hat eine größere Liebe als die, dass er sein Leben hingibt für seine Freunde.

Das von uns mit Liebe geführte Dasein lässt uns auf ein neues Leben nach unserem irdischen Tode hoffen.
Was ist aber nun mit dem „Leben hingeben“ gemeint? Es ist gemeint, dass wir in verschiedenen Situationen des Alltags vieles, das uns von unseren Mitmenschen trennt, „sterben gehen“. Wir versuchen, es in uns nicht zuzulassen, damit unsere negativen Emotionen nicht überhand nehmen. Was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn böse.
Dazu passt auch das Zitat – „Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden zu Worten. Achte auf Deine Worte, denn sie werden zu Handlungen. Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden zu Gewohnheiten. Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Die Entscheidung für deine Sichtweise kann dir niemand abnehmen, neigst du also eher zu Anfang oder zu Ende? Ist das Leben ein Kreis oder eine Linie? Ist der Tod ein Punkt oder eine Tür?

In mir bleibt nach dem Schreiben dieses Textes ein sehr Geborgenheit schenkendes Gefühl und die Hoffnung, dass dieses Schreiben auch für dich ein Trost und strahlender Lichtblick sein kann.

2 Kommentare zu - Anfang oder Ende
    Thomas Pesau
    7 Mar 2025
    8:42am

    Vielen Dank für deine anregenden Worte!
    Gruß Thomas

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      Josef Pesau
      7 Mar 2025
      5:16pm

      Es freut mich sehr, dass dir mein Text gefallen hat.

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